ePredigte.

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Ton
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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Ma Jun 29, 2020 11:35 am

ePredigt vom 28.06,2020 (Micha 7, 18-20)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Micha im 7. Kapitel, die Verse 18-20. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig ! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.


Liebe Gemeinde,

was für eine Verheißung, die wir da bereits im Alten Testament hören. Viele unserer Mitmenschen sind ja sehr auf das Neue Testament fixiert und sehen in dem Alten Testament nicht mehr als ein teils grausames Geschichtsbuch. Aber schon im Alten Testament tat Gott den Propheten mit, was dereinst passieren sollte.

Lassen Sie uns daher den zentralen Satz aus unserem heutigen Predigttext einmal etwas intensiver betrachten:

1. Er wird sich unser wieder erbarmen

In der Liturgie singen wir es fast jeden Sonntag, das "Herr erbarme dich...". Haben wir uns eigentlich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was sich hinter dem Wort "erbarmen" verbirgt ?

Nun, wenn wir uns den Urtext anschauen, dann finden wir dort das Wort "raham". Raham bedeutet die liebevolle, helfende und schützende Zuwendung einer Mutter.

Liebevoll, so betrachtet uns unser Vater im Himmel. Er liebt alle seine Geschöpfe, auch wenn sie noch nicht seine Kinder geworden sind. Liebevoll schaut er auf sie und wartet sehnsüchtig darauf, dass sie sich zu ihm bekehren.

Unser Vater will uns aber auch helfen, wenn wir unser Leben mit ihm gehen. Die helfende Zuwendung geschieht auch durch unsere Geschwister im Glauben, die uns zur Seite stehen, wenn wir Hilfe benötigen. ER lässt seine Kinder jedenfalls niemals im Regen stehen.

ER will uns schützen und beschützen auf unserem gesamten Lebensweg. Schützen wovor ? Zum einen davor, dass wir in die Irre gehen und zum anderen vor den Fallen die uns der Teufel immer wieder aufstellt. Die Fallen, die uns der Teufel stellt dürfen wir uns durchaus als ein Minenfeld vorstellen. Den Kompass, den wir benötigen, um sicher durch dieses Minenfeld zu gelangen, den schenkt uns unser Herr.

Raham bedeutet aber noch mehr. Es bedeutet auch eine lebensfördernde und verantwortungsvolle Fürsorge.

Wenn wir uns nur an das vorher gesagte erinnern, dann könnte man fast meine, wir seien Gottes Marionettentheater, welches er autark dirigiert. So ist es sicherlich nicht. Die lebensfördernde und fordernde Fürsorge besteht darin, dass Gott uns zwar den Weg zeigt, gehen müssen wir ihn aber schon selber.

Verantwortungsvolle Fürorge bedeutet, dass uns unser Herr auch loslässt und uns alleine marschiren lässt, aber niemals ohne uns daran zu erinnern, dass ER stets nur ein Gebet weit von uns entfernt ist.

2. Er wird unsere Schuld unter die Füße treten

Wenn ich Pappkartons entsorge, dann kann ich sie manchmal nicht zerreißen. Also trete ich solange auf diesen herum, bis sie vollkommen platt sind und abtransportiert werden können. Man kann sie dann auch nicht mehr als das erkennen, was sie einmal waren.

Gott tritt unsere Schuld mit Füßen. Der große Sündenberg, der uns von Gott trennt, dieser große Berg wird zu einem kleinen Haufen zusammengetreten.

Dies tat unser Herr, als er unsere Schuld auf sich geladen hat, und am Kreuz stellvertretend für einen jeden unter uns gestorben ist.

3. Er wirft unsere Sünden in die Tiefe des Meeres

Wenn ich so an meine Pappkartons denke, dann liegen sie immer noch irgendwo rum und erinnern mich daran, dass ich sie abtransportiere.

Und jetzt kommen wir zu einem Phänomen. Viele Menschen nehmen zwar die Erlösungstat unseres Herrn gern im Glauben an. Aber sie schauen immer wieder und wieder auf ihre bereits vergebenen Sünden, obwohl der Herr bereits dafür bezahlt hat.

Also müssen diese Sünden für immer entsorgt werden. Das tut Gott, indem er sie in die Tiefen des Meeres wirft und ein Schild davor aufstellt mit der Aufschrift: "Fischen verboten".

Es hilft uns ellen denkbar wenig, wenn wir uns immer und immer wieder über Sünden Gedanken machen, welche bereits vor Gott als getilgt gelten. Das macht uns auf Dauer nur griesgrämig und miesepetrig. Und von einem fröhlichen Christenleben kann dann keine Rede mehr sein.

Gewiss, manchmal sind wir versucht, am Ufer des Meeres zu stehen, in dessen Tiefe unsere Sünden liegen. Dann soll uns Gottes Verbotsschild immer wieder sofort daran erinnern, dass wir umkehren sollen.

Daher dürfen wir auch bei neuerlich begangenen Sünden nachdem wir diese zu Gott getragen haben immer wieder einen fröhlichen Neuanfang wagen.

Lassen Sie uns dafür dankbar sein, indem wir zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes "Mir ist Erbarmung widerfahren..." (EG 355) des Liederdichters Philipp Friedrich Hiller einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat's nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.


Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber



Impressum:
Jens Steinführer * Schäferstegel 57 * D-29410 Salzwedel * info@epredigt.de



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Ton
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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Zo Jul 26, 2020 2:06 pm

ePredigt vom 05.07.2020 (Römer 12, 17-21)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Brief des Apostel Paulus an die Römer Kapitel 12, die Verse 17-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): "Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr." Vielmehr, "wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln" (Sprüche 25, 21-22). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.


Liebe Gemeinde,

Streit kommt in den besten Familien vor, so lautet ein altes Sprichwort. Es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht. Und der Apostel Paulus beschreibt uns heute einen Königsweg, wie wir mit Streit und unseren Mitmenschen umgehen sollen. Lassen Sie uns diese paulinische Streitkultur einmal gemeinsam etwas näher betrachten.

1. Böses nicht mit Bösem vergelten

Das sagt Paulus so einfach. Aber wenn mich jemand beleidigt hat, soll ich dann etwa alles runterschlucken. Nein, dies ist mit der Aussage des Apostels sicherlich nicht gemeint. Wenn wir dies täten, dann würde irgendwann das Fass überlaufen und wir würden den gesammelten Zorn unterUmständen an jemandem auslassen, der gar nichts mit den Umständen unseres Zorns zu tun hat.

Denken wir einmal an kleine Kinder. Da spielen sie friedlich im Sandkasten und dann macht der kleine Fritz der Anna die Sandburg kaputt. Die kleine Anna nicht faul, haut dem Fritz das Eimerchen auf den Kopf. Der kleine Fritz nimmt dann die Schaufel und verdrischt die Anna. Und dann ist es Anna leid und droht dem Fritz mit ihrem großen Bruder, den sie jetzt holen werde. Und dieser ältere Bruder wird dem Fritz schon zeigen, was ne Harke ist.

Wir haben gerade im kleinen die Eskalation der Gewalt beobachten können. Wenn uns jemand Böses tut und wir dann dieses Böse mit Bösem vergelten, dann treten wir diese Spirale erst so richtig los.

Aber was sollen wir denn tun ? In einer solchen Situation einfach einmal nicht mit den gleichen Waffen zurückschlagen, sondern nur schweigen. Ich wette mit einem jeden unter uns, dass der Angreifer in den meisten Fällen einfach nicht mehr weitermachen kann und aufhören wird, uns Böses zu tun.

Und dann, liebe Gemeinde, ist die Basis für ein klärendes Gespräch geschaffen.

2. Soweit möglich, Frieden halten

Die erste Situation hätten wir ja nun gemeistert. Jetzt kommen wir zu einer anderen Spezies, die es einfach nicht lassen kann, uns immer wieder auf's Neue zu "trietzen".

Eine gewisse Weile können wir schweigen, aber irgendwann kommt der Punkt, wo es einfach nicht mehr geht. Das ist der Punkt, wo wir mir unserem sprichwörtlichen Latein am Ende sind. Und dann erwartet auch Gott nicht mehr, dass wir einfach alles immer wieder hinnehmen. Wir sind schließlich Christen und keine Deppen.

Und jetzt dürfen wir auch uns auch in christlicher Art und Weise rächen. Jetzt dürfen wir diesen Menschen dem Zorne Gottes anbefehlen. Wir müssen gar nicht mehr selber aktiv werden. Das macht Gott schon für uns. Gottes Mühlen mahlen vielleicht langsamer als wir es möchten, aber sie mahlen vortrefflich fein.

Dies sagt uns unser Herr auch ganz konkret zu, wenn er in unserem Predigttext ganz konkret sagt: "Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr."

Jeder von uns, der schon eine geraume Zeit mit Gott unterwegs ist, der kann bestimmt ein Lied davon singen. Klar, vor dem anderen mag dies als Schwäche erscheinen. Keine Frage, in der Welt werden die Dinge eben etwas anders geregelt. Aber wir haben ja unseren Herrn mit im Boot und müssen nicht auf weltliche Rachegelüste ausweichen.

Legen wir also nicht nur all unsere Nöte, sorgen und Probleme in die Hand Gottes, sondern auch all unseren Zorn, all unsere Bitterkeit und all unsere Rachegelüste. Er wird's wohl richten!!!

3. Überwinde das Böse mit Gutem

Paulus, Paulus, jetzt gehst du aber zu weit. Ich soll demjenigen, der mir Böses angetan hat, auch noch etwas Gutes zuteilwerden lassen. Ja, so will es unser Vater im Himmel.

Was passiert denn, wenn wir uns nicht rächen und unserem Widersacher auch noch Gutes zuteilwerden lassen ? Nun, er wird nicht nur aufhören, uns weiter Böses zu tun, sondern er wird höchstwahrscheinlich sein Unrecht auch einsehen. Und wenn er dies tut, dann ist auch kein Raum mehr da für den Zorn Gottes.

Denn unser Vater will ja, dass alle Menschen zur Einsicht kommen und den Weg zu ihm finden. ER will ja gar nicht Rache ausüben um der Rache willen.

Das ist natürlich alles andere als einfach. Corrie ten Boom hatte so ein Schlüsselerlebnis zu meistern. In einer ihrer Evangelisationen war auch ein Herr anwesend, den sie nur allzu gut kannte. Es war einer der KZ-Aufseher aus dem Konzentrationslager Ravensbrück, in welchem sie und ihre Schwester interniert waren. Dieser Mann kam nach der Evangelisation auf sie zu und bat sie um Verzeihung, für alles was er ihr und ihrer Schwester angetan hatte. Er streckte ihr die Hand aus. Und Corrie sagte, dass sie die Hand nicht ergreifen konnte, aber sie spürte wie eine unsichtbare Kraft ihre Hand in die Hand des ehemaligen KZ-Aufsehers legte.

So, und dieser Jemand, der dies bei Corrie ten Boom getan hat, dieser Jemand ist kein geringerer als der lebendige Gott, der uns auch heute noch zur Seite steht, wenn wir ähnlich schwierige Situationen zu meistern haben.

Und dann können wir vielleicht über die ausgestreckte Hand hinaus sogar das machen, was Paulus mit den Korinthern, einem sehr schwierigen Völkchen tat, welches ihm viel Unruhe bereitet hatte. Am Ende seines Briefes an die Korinther segnete er diese Menschen, die so gar nicht in der Spur gelaufen waren mit den Worten: "Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen !

Bitten wir unseren Herrn, dass ER auch uns in die Lage versetzt, ähnlich zu reagieren, indem wir Frieden halten, indem wir verzeihen und indem wir unsere Feinde segnen.

Lassen Sie uns unseren Herrn zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes noch einmal gemeinsam loben, indem wir in den 2. Vers des Liedes "Ist Gott für mich, so trete..." (EG 351) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm's auch ohne Scheu,
dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei
und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh
und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.


Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber




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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Zo Jul 26, 2020 2:07 pm

ePredigt vom 12.07.2020 (Lukas 5, 1-11)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 1-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Fischzug des Petrus

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon : Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus ! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir ! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht ! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.


Liebe Gemeinde,

da saßen sie nun die Fischer und wuschen ihre Netze. Sie hatten die ganze Nacht hart gearbeitet, aber nichts gefangen. Nichts gefangen zu haben bedeutete aber auch kein Einkommen, kein Geld für den Lebensunterhalt und somit eine ungewisse Zukunft für sie alle.

Dies sind sicherlich Situationen, wie wir sie in den letzten Monaten alle schon einmal erlebt haben. Vor uns allen lag seit Mitte März eine Zukunft, die alles andere als berechenbar war. Und stellenweise ist sie es auch heute noch.

Und in eine solche Situation hinein präsentiert uns Jesus eine Hilfestellung, er stellt uns ein "Programm gegen Sorgen" vor. Schauen wir uns doch das Anti-Sorgen-Programm von Jesus einmal etwas genauer an.

1. Fürchte dich nicht

Liebe Gemeinde, dies ist der häufigste Satz, den wir in der Bibel, sowohl im Alten Testament, als auch im Neuen Testament lesen können.

Dieses göttliche Fürchte Dich nicht ist etwas anders als das ganz lapidare menschliche "Da musst du keine Angst vor haben". In diesem göttlichen Fürchte dich nicht steckt die gesamte Allmacht Gottes.

Gott liebt uns und will nur das Beste für uns. Und daher dürfen wir dem, der sagt. "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" immer mehr vertrauen als irgendwelchen Wirtschaftsweisen, Virologen und anderen selbsternannten Zukunftsdeutern.

Derjenige, der Himmel und Erde gemacht hat regiert diese nämlich auch von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und wenn derjenige zu mir sagt: Fürchte dich nicht, dann ist das schon beruhigend für mich.

Natürlich lösen sich nicht alle Probleme auf einmal, aber mit dieser Zusage im Gepäck kann ich neuen Mut und Kraft für meinen Weitermarsch auf Erden sammeln und muss nicht verzagt in der Ecke hocken und darauf warten, was denn noch alles schiefgehen mag.

2. Gottes Wort hören

Wir lesen am Anfang unseres Predigttextes, dass Jesus das Volk lehrte. Das waren damals keine Predigten von 20-30 Minuten. Das war schon mal eine über mehrere Stunden dauernde Unterweisung der Menschen.

Wenn wir uns die Bibel anschauen, dann lesen wir immer wieder, dass es dem Volk welches sich Gottes Wort zuwandte besser ging, als den anderen Völkern, die ihre Götzen anbeteten.

Lesen wir nur einmal das Buch der Psalmen. Ich empfehle uns allen den Psalm 23, welchen David geschrieben hat. Der Herr ist mein Hirte. Ist das nicht wunderbar ? Ich bin ein Teil seiner Herde, die er mit Argusaugen behütet und bewacht. Mir wird nichts mangeln. Genau so ist es, wenn ich mich auf IHN und seine Zusagen verlasse.

Auch wenn ich in Nöten stecke, dann verspricht er mir, dass er mich auf einer grünen Aue weiden wird und mich zum frischen Wasser führen wird. Das ist ein Sinnbild für Essen und Trinken und seelischem Wohlergehen unter seinem Schutz und Schirm.

Ich fürchte kein Unglück, denn dein Stecken und Stab trösten mich. David selbst war ja oft in weitaus größeren Nöten, als wir es vermutlich je sein werden. Und doch konnte gerade David diesen Psalm dichten, weil er die Fürsorge Gottes in allergrößten Nöten erlebt hatte.

Übrigens der Stecken diente dem Schäfer zur Abwehr von Gefahren. Wenn zum Beispiel wilde Tiere die Herde bedrohten, dann diente ihm der Stecken zur Abwehr. Mit dem Stab führte er seine Herde in die richtige Richtung.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang. Aus all dem, was Davids mit Gott erlebt hatte durfte er schließen, dass dieser Beistand ihm erhalten bleibt sein ganzes Leben lang.

Wie David aus der Vergangenheit gelernt hat, so können wir aus vielen Beispielen der Bibel lernen, aber wir können uns auch selber einmal rückbesinnen in wie viel Not und Gefahr Gott bei uns war und uns behütet, beschützt und bewahrt hat.

3. Gottes Wort tun

Liebe Gemeinde, mit dem Hören allein ist es ja nicht getan. Wir müssen auch das tun, was Gott uns aufträgt. Und machnmal können die Aufträge, die Gott uns erteilt schon ein wenig verwunderlich klingen. So war es auch bei Petrus.

Die Fischer saßen am Rande des Sees und mittlerweile war es Tag geworden und auch schon sehr warm. Fische suchen immer die Kälte und weichen der Wärme aus. Und so tauchen die Fische im See Genezareth tagsüber auf bis zu 40 Meter ab. Und da konnten die Fischer mit ihren Netzten nunmal so gar nichts ausrichten. Und jetzt sagt Jesus, dass sie etwas tun sollen, was bar jeder Vernunft ist. Man geht doch besser nach Hause und ruht sich aus für die nächste Nacht, die dann hoffentlich erfolgreicher verlaufen wird.

Und da kommt das gewaltige Wort von Petrus: " Aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen..." Und wir haben ja gehört, was dann geschah. Soviel wir bei diesem Fischzug hatten die Fischer noch niemals in ihrem Leben gefangen. Sogar die Besatzung des anderen Bootes musste aushelfen, um die Netze an Land zu ziehen.

Und das geschah nur, weil Petrus den Auftrag von Jesus nicht hinterfragte, sondern 1:1 in die Praxis umsetzte.

Lassen Sie mich kurz noch ein letztes Beispiel nehmen. Als Josua den Auftrag von Gott erhielt, das Volk sicher über den Jordan zu führen kam er auch nicht an und sagte: Oje, oje was mach ich nur ? Kaum einer von denen kann schwimmen. Und die wenigen die schwimmen können werden ganz bestimmt von der Strömung mitgerissen. Da kommt doch keiner sicher an. Wir suchen uns lieber eine Brücke.

Nein, Josua machte genau das, was Gott von ihm wollte. Und das sollen wir alle immer wieder auch tun. Auf Gott hören und das, was er uns sagt sofort in die Tat umsetzen. Nicht irgendwann und irgendwo, wenn es denn gerade mal passt, sondern hier und heute, wenn ER zu uns spricht.

Wenn wir regelmäßig sein Wort studieren, dann erfahren wir immer wieder wie Gott aus aussichtslosen Situationen Hilfe und Rettung brachte. Und dieser Gott lebt auch heute noch und will auch uns Rettung und Hilfe bringen. Wir müssen ihm nur vertrauen und das machen, was ER will und nicht das, was wir für am sinnvollsten erachten.

Lassen Sie uns nunmehr zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unseren Herrn gemeinsam loben, indem wir zusammen den dritten Vers des Liedes "Lobe den Herren...", (EG 319) von Joachim Neander singen, der da lautet, wie folgt:

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet !


Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber



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Ton
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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Zo Jul 26, 2020 2:08 pm

ePredigt vom 19.07.2020 (5. Mose 7, 6-12)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 6. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Buch Mose, Kapitel 7, die Verse 6-12. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er dich geliebt hat und damit er einen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der Herr, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.


Liebe Gemeinde,

wie haben ja alle einen Missionsauftrag zu erfüllen. Und da kann es schon mal passieren, dass uns die Menschen ganz lapidar fragen: Wie geht das denn, ein Leben mit Gott? Und so wie wir es soeben im Großen, also auf ein ganzes Volk bezogen gehört haben, so geht es auch im kleinen, also mit jedem einzelnen von uns. Schauen wir uns das Leben mit Gott einmal zusammen an.

1. ER hat uns erwählt

Gott ist ein Unternehmer und immer auf der Suche nach Mitarbeitern, die mit ihm zusammen sein Reich aufbauen wollen. Da liegt es doch auf der Hand, dass er sich fähige Leute sucht, die gut reden können, die eine charismatische Ausstrahlung haben und die sein Anliegen überzeugend an die Menschen bringen können.

So jedenfalls würde es jeder Unternehmer in unserem Lande tun. Er würde eine Stellenausschreibung in die FAZ setzen und aus den Hunderten von Bewerbern die geeignetsten auswählen und allen anderen eine Absage erteilen.

Aber so ist es eben nicht im Reiche Gottes. Gott beruft eben nicht die besonders fähigen Menschen, sondern er befähigt die Menschen, die er beruft. Und rufen tut er alle.

Wir sagen ja so gern, dass wir den Weg zu Gott gefunden haben. Auch dies ist nicht der Fall. Lange bevor wir uns bekehrt haben, hat Gott schon in uns und an uns gewirkt. Vielleicht haben wir seine Stimme ja auch schon mal im Hintergrund gehört, sind dann aber schnell wieder zur Tagesordnung zurückgekehrt. Das haben die Israeliten auch oft getan.

Das schöne ist, dass es von Gott niemals eine Absage geben wird. Solange der Mensch lebt, ist Gott, verzeihung, wenn ich dies so sage, hinter ihm her. Gott möchte, dass alle Menschen in den Himmel kommen und kein Mensch in der Hölle landet.

Daher ist es auch so wichtig, dass wir dies den Menschen sagen. Vor Gott gibt es keine Versager. Jeder ist herzlich eingeladen an seinem Reiche mitzubauen. Die dazu erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernt jeder Mensch, wenn er bei Gott die Schulbank drückt.

2. Aus Liebe

Was Gott antreibt ist die Liebe zu uns Menschen. Nun war es leider so, dass der Mensch sich im Paradies gegen Gott entschieden hatte. Fortan bestand zwischen Gott und den Menschen eine große Kluft, die zu überwinden für uns Menschen unmöglich war.

Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass Gott uns nach wie vor über alles liebte. Also musste er eine Brücke über diese Kluft bauen, damit wir wieder zu ihm gelangen können.

Diese Brücke ist natürlich unser Herr Jesus Christus. Gott kam als Mensch in diese Welt um für all unsere Sünden zu bezahlen. Danach gab es nichts mehr, was zwischen den Menschen und Gott steht.

Seit Jesus für uns an unserer Stelle am Kreuz verstarb, seit dieser Zeit haben wir wieder freien Zugang zu Gott. Wir sind von seinen Geschöpfen wieder zu seinen geliebten Kindern geworden, die ihn sogar mit "Vater" anreden dürfen.

Wir sind also nicht seine Knechte, sondern seine Kinder. Und als diese haben wir auch Anspruch auf ein Erbteil. Dieses Erbteil besteht zum einen darin, dass wir schon auf Erden allezeit seinen Rat und seine Hilfe in Anspruch nehmen dürfen. Und zum anderen haben wir hier schon einen Erbschein in der Hand, der es uns gestattet, nach unserem irdischen Ableben die Ewigkeit mit unserem Vater im Himmel zu verbringen. Wenn wir es so wollen ist dieser Erbschein unsere Eintrittskarte in den Himmel.

3. Der zweiseitige Bund

Zu schön, um wahr zu sein. Fehlt die nicht etwas? Genau liebe Gemeinde, so einfach geht es dann doch nicht. Wir kommen alle, alle alle in den Himmel..., so lautet der Refrain eines altbekannten Karnevalsliedes.

Aber dies ist nicht der Fall. Klar, das Hilfsangebot und der Erbschein gelten, aber was noch fehlt ist mein "Ja". Wenn ich alle meine Sünden unter das Kreuz bringe, diese bereue und den Versuch der Umkehr ehrlichen Herzens starte, erst dann gilt dieser Bund.

Übrigens dieser Bund kann von Gott nicht einseitig aufgelöst werden. Angenommen uns angenommen. Punkt ohne jedwede Diskussion.

In unserem Predigttext haben wir noch eine interessante Passage, über die wir noch kurz reden sollten: "So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte..." so haben wir es gehört.

Also doch wieder Werkgerechtigkeit. Ohne Fleiß kein Preis. Das soll auch für den Himmel gelten?

Das gilt natürlich so nicht. Gott hat uns mit unserer Bekehrung angenommen. Er möchte uns aber auch nicht wieder verlieren. Und dazu hat er uns ein Regelwerk mit auf unseren Weg als Christen an die Hand gegeben. In der Bibel finden wir unter anderem in den zehn Geboten und in der Bergpredigt zahlreiche Verhaltensweisen, die uns als Christen auszeichnen sollen. Diese Regeln helfen uns auch, auf dem Wege zu bleiben, den Gott für uns bereitet hat.

All dies können und sollen wir lernen. Wir sind nicht perfekt, wenn wir uns bekehrt haben und wir werden auch nicht perfekt sein, wenn wir in den Himmel kommen. Aber wenn wir uns an Gottes Wegweiser für unser Leben zu halten versuchen, werden wir langsam aber sicher ein Leben führen, dass weitab von dem ist, welches wir vor unserer Bekehrung führten.

Alleine kann ich kaum die Gesetze und Regeln halten und alleine würde ich vermutlich verzweifeln, da ich immer wieder scheitere. Darum ist auch die Gemeinschaft der Christen untereinander so wichtig. Diese ermutigt mich aufzustehen, wenn ich einmal fallen sollte, diese lehrt mich Gottes Wort mit Leben zu füllen und in dieser Gemeinschaft kann ich den Mitgeschwistern eine wertvolle Hilfe sein.

Darüber hinaus haben wir jederzeit das Recht unseren Vater im Himmel anzurufen. Sein Telefon ist allzeit bereit, oder wie man heute zu sagen pflegt 7/24.

Darum lassen Sie uns Gott gemeinsam für seine Gnade und Barmherzigkeit danken, die er schon an uns getan hat, indem wir gemeinsam in den 5. Vers des Liedes "Du hast uns Herr, gerufen..." (EG 168) einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wir nehmen seine Worte und Taten mit nach Haus.
Wir nehmen seine Worte und Taten mit nach Haus
und richten unser Leben nach seinem aus
und richten unser Leben nach seinem aus.


De Herr segne Dich und Behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.


Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber


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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Zo Jul 26, 2020 2:09 pm

ePredigt vom 26.07.2020 (Hebräer 13, 1-3)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 7. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 13. Kapitel des Hebräerbriefes, die Verse 1-3. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Letzte Ermahnungen

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige, ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt.


Liebe Gemeinde,

die Hebräerbrief richtete sich an eine Gemeinde, die es mit dem Glauben nicht mehr so genau nahm. Es wurden erste Zweifel laut, ob die Verheißungen überhaupt eintreffen. Man fing an, nicht mehr zum Gottesdienst zu gehen und den übrigen Gemeinschaftsstunden fernzubleiben. Es hatte sich eine gewisse Glaubensmüdigkeit breit gemacht. Erinnert doch irgendwie an unsere heutige Zeit. Und daher kommt den letzten Ermahnungen eine besondere Bedeutung zu.

Der Verfasser versucht, die Gemeinde wieder auf Kurs zu bringen. Dies zieht sich durch das ganze 13. Kapitel hindurch. Vielleicht ein Grund heute Nachmittag einmal das gesamte 13. Kapitel zu lesen ?!

Lassen Sie uns heute Morgen einmal drei dieser letzten Ermahnungen etwas genauer anschauen.

1. Fest in brüderlicher Liebe

Hier steht nicht: Liebt alle einander. Hier steht nur etwas von brüderlicher Liebe. Und mit dieser Liebe ist die Liebe der Christen untereinander gemeint, die nur aus dem gemeinsamen geistlichen Leben heraus möglich wird. Und somit ist diese Liebe auch nur aus Gott heraus möglich, der diese brüderliche Liebe in unseren Herzen fest verankert hat.

Ohne Gottes Hilfe wären wir gar nicht in der Lage bei all unserer Verschiedenheit fest in der brüderlichen Liebe zu verweilen.

Mit der brüderlichen Liebe ist gemeint, dass wir untereinander so umgehen sollen, wie man in einer Familie gemeinhin umgeht.

In der Familie achten die Älteren auf die Jüngeren. Wir als schon glaubenserfahrene Christen sollen uns stets derer annehmen, die neu in die Familie aufgenommen worden sind. Wie die Eltern ihre Kinder mit einer liebevollen Konsequenz erziehen, so sollen wir auch mit einer liebevollen Konsequenz unseren neuen Brüdern und Schwestern zur Seite stehen.

Brüderliche Liebe heißt aber auch, aufeinander und untereinander acht zu geben. Wie schnell kann es geschehen, was ja auch bei den Hebräern passiert war, dass sich ein gewisser Schlendrian in Glaubensdingen breit macht. Und diesen bemerkt man selber meist erst dann, wenn es zu spät ist. Daher ist es vonnöten, dass wir als Geschwister untereinander auf uns aufpassen.

Und natürlich sollen wir Untereinader achtgeben, dass keiner den anderen übervorteilt. Alle Familienmitglieder haben die gleichen Rechte aber auch die gleichen Pflichten. Nur so kann eine christliche Gemeinschaft dauerhaft gelingen.

2. Seid gastfrei

Zahlreiche Bibelkommentare verweisen darauf, dass es zu der damaligen Zeit eben noch keine Hotels gab und viele Reisende nicht wussten, wo sie die jeweilige Nacht verbringen konnten. Fakt ist aber auch, dass es schon Herbergen in ausreichender Zahl gab. Nur waren diese für viele Reisende einfach nicht erschwinglich.

Daher werden wir zur Gastfreundschaft ermahnt. Denn es gab damals wie heute viele Menschen, die sich eine Herberge gar nicht leisten konnten. Und so finde ich es immer wieder überwältigend, wie wir bei evangelischen und katholischen Kirchentagen unsere Privatunterkünfte kostenlos den Teilnehmern zur Verfügung stellen.

Im Urtext steht neben der Gastfreundschaft noch das Wort allezeit. Wir sollen also unsere Gastfreundschaft nicht nur auf die Kirchentage reduzieren, sondern auf das ganze Jahr ausdehnen.

Gastfrei zu sein bedeutete übrigens nicht, darauf zu warten, dass wir darum gebeten werden. Gastfreundschaft bedeutet, dass ich bevor der andere fragt, diesem schon mein Heim und meine Mahlzeit anbiete. Ich soll den anderen gar nicht erts in die Verlegenheit bringen, dass er mich fragen muss.

Ich erlebe es heute immer noch in vielen türkischen Familien, wie diese mich herzlichst aufnehmen und opulent bewirten. Obwohl ich ein Christ bin und obwohl uns vieles trennt, ist die Gastfreundschaft doch das verbindende Glied unter uns.

Und dieses verbendende Glied unter Christen sollen auch wir sein. Gastfrei zu sein heißt übrigens nicht nur, dass ich jemandem Obdach gewähre. Gastfrei kann ich auch mit meiner Zeit sein, die ich dem Gegenüber schenke. Gastfrei zu sein hat also gar nichts mit Gut und Geld zu tun.

3. In andere hineinversetzen

Wenn wir wirklich unserem Gegenüber eine wertvolle Hilfe sein wollen, dann müssen wir ihn auch verstehen. Klingt logisch und einfach. Aber dies hat so seine Tücken.

Ein altes indianisches Sprichwort sagt uns: "Wenn du nicht 1000 Meilen in den Mokassins des anderen gegangen bist, hast du kein Recht, über ihn zu urteilen."

Wir lesen in unserem Predigttext das Wort "Mitgefangene". Hier sind nicht die Strafgefangenen gemeint, die eine gerechte Strafe abbrummen müssen. Hier geht es um Menschen, die zum Beispiel in Süchten diverser Art gefangen sind.

Muss ich also erst zum Alkoholiker werden, um anderen Alkoholikern eine wertvolle Hilfe sein zu können? Nein, natürlich nicht. Aber platte, nett gemeinte Worte wie: "Dann hör doch mit dem Trinken auf", helfen dem Alkoholiker auch nicht weiter.

Qualifizierte Hilfe unter Geschwistern heißt, dass ich mich der Problematik meiner Mitgeschwister annehmen muss, diese verstehen muss um dann als wertvoller Berater für meine Geschwister agieren zu können.

Die Hebräer waren glaubensmüde geworden. Unseren Geschwistern, denen es ähnlich ergeht hilft es herzlich wenig, wenn wir diese mit erhobenem Zeigefinger ermahnen, wieder sonntags in die Kirche zu gehen, da ansonsten ihr Seelenheil gefährdet ist. Solche Glaubensgeschwister gibt es aber wirklich. Dass sie damit mehr Schaden anrichten, als ohnehin schon entstanden ist interessiert sie meist nicht.

Ich muss bei meinem Bruder oder meiner Schwester erst einmal hinterfragen, was denn zur Glaubensmüdigkeit geführt hat. Erst wenn ich dies verstanden habe, dann kann ich vorsichtig korrigierend beratend tätig werden.

Übrigens, nur mal nebenbei bemerkt: Ich verstehe viele meiner Mitgeschwister, dass sie liberaltheologischen Predigten fernbleiben. Hier wäre der erhobene Zeigefinger mehr als fehl am Platze. In solchen Fällen sind wir gehalten, unseren Geschwistern Alternativen anzubieten. Gemeinden also, in denen noch Gottes Wort gepredigt wird. Gemeinden, die anerkennen, dass wir als Mann und Frau geschaffen worden sind. Gemeinden, die keine gleichgeschlechtlichen Paare segnen. Gemeinden letztendlich, die anerkennen, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen.

Ja liebe Gemeinde, letzte Ermahnungen haben es nun mal so an sich, dass die Thematik ein wenig ernster ist. Aber wir sind ja Vergnügungsverein auf Gegenseitigkeit e.V. Wir wollen ja alle Gottes Wort nachfolgen und unsere Geschwister dabei unterstützen, dass sie dies auch tun können.

Und, das dürfen wir niemals vergessen: Ermahnungen sind keine Strafe, sondern wollen uns daran erinnern, dass wir auf dem rechten Wege bleiben sollen.

Lassen Sie uns nun noch einander ermuntern, stets ganz nahe an unserem Herrn dranzubleiben, indem wir gemeinsam in den ersten Vers des Liedes "Meinen Jesus lass ich nicht..." (EG 402) des Liederdichters Christian Keimann einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Meinen Jesus lass ich nicht, weil er sich für mich gegeben,
so erfordert meine Pflicht, unverrückt für ihn zu leben.
Er ist meines Lebens Licht; meinen Jesus lass ich nicht.


Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber



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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Ma Aug 03, 2020 2:01 pm

ePredigt vom 02.08.2020 (Johannes 9, 1-7)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 8. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 9, die Verse 1-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Heilung eines Blindgeborenen

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden. Und er sprach zu ihm: Geh zum Teich Siloah - das heißt übersetzt: gesandt - und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.



Liebe Gemeinde,

unser Predigttext ist überschrieben mit den Worten "Die Heilung des Blindgeborenen" Und doch macht die Überschrift gerade einmal einen kleinen Teil unseres heutigen Predigttextes aus. Da muss also noch mehr dahinterstecken. Schauen wir einmal gemeinsam nach. Es geht nämlich auch um einen Perspektivwechsel.

1. Die alte Perspektive

Das, was die Jünger Jesus fragten, das steckt doch irgendwie in uns allen drin. Die Frage nach der Ursache und der sich daraus ergebenden Wirkung.

Da war der blinde Mensch. Und da fragten sich die Jünger natürlich nach der Ursache der Erblindung. Und so kamen sie auf die Sünde. Fehlte nur noch die Erkenntnis, wer denn gesündigt habe, die Eltern oder aber der blinde Mensch.

Denken wir mal in unsere Zeit hinein. Warum sitzt der Bettler auf der Straße, ja weil er zu faul zum Arbeiten ist. Warum trinkt mein Kollege zu viel. Ja weil schon seine Eltern Alkoholiker waren.

Bestimmte Kausalketten ziehen sich durch unsere Gedanken und machen das Leben einfach strukturierter. Manchmal ist dies auch von Vorteil. Zum Beispiel immer dann, wenn es um Sachzusammenhänge geht.

Es besteht jedoch die latente Gefahr, dass man anfängt, in Schubladen zu denken. Und irgendwann prägen dann unsere Überzeugungen unser Weltbild und wir hinterfragen dies oftmals überhaupt nicht mehr, weil es als nun mal so ist wie es ist.

Wir geben dann anderen Denkweisen gar keine Chancen mehr. Ist der Bettler vielleicht länger erkrankt gewesen und hat daraufhin seinen Arbeitsplatz und seine Wohnung verloren und sitzt deswegen auf der Straße? Hat mein Kollege vielleicht ein großes Problem, welches er mit Alkohol lösen möchte oder wenigstens für eine Zeitlang vergessen möchte?

Und so schaut auch Jesus nicht auf das Problem, sondern auf den Menschen. Vielleicht auch ein wertvoller Hinweis für uns alle, wenn wir mit anderen Menschen umgehen.

2. Die neue Perspektive

Jesus schmeißt die die neue Perspektive komplett über den Haufen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Jünger dies erst einmal verdauen mussten, waren sie doch bisher eine komplett andere Denkweise gewohnt.

Jesus sieht die Blindheit als eine Wirkstätte Gottes an, wo er seine Gnade zeigen kann. An dieser Wirkstätte kann altes neu werden. An dieser Wirkstätte kann krankes gesund werden. Und an dieser Wirkstätte kann aus Hass Liebe werden.

Jesus macht an dieser Stelle deutlich, dass Gott alles neu machen kann. Die Wirkstätte, die dafür erforderlich ist, ist das Kreuz. An diesem Kreuz hat Jesus für all unsere Sünden bezahlt.

Wenn wir dies im Glauben annehmen, dann kann und wird unser Herr auch unser Leben total umkrempeln. Und wir werden dies werden mit Freude im Herzen an uns geschehen lassen.

Was Jesus hier noch deutlich macht ist die Tatsache, dass es auf jeden einzelnen ankommt. Jeder einzelne wird unter das Kreuz berufen, damit er wieder Gottes geliebtes Kind werden darf. Gott hat viele Kinder, aber keine Enkelkinder.

Diesen Gang muss jeder für sich ganz alleine gehen. Da hilft auch nicht die adlige Herkunft, das christliche Elternhaus oder das Gebet der Geschwister für mich.

3. Die Heilung

Beziehen wir uns noch einmal auf die Heilung. Jesus spuckte auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden. Eine nicht gerade verlockende Vorstellung einer Heilung.

Aber, liebe Gemeinde, lesen wir doch einmal was im 1. Mose 2, Vers 7 steht: "Da machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase." Und der Mensch, den Gott geschaffen hatte der war perfekt. Gott macht nämlich keine halben Sachen.

Bedenken wir: Jesus ist Gott als Mensch. Und so machte Gott mittels der Erde aus dem unperfekten, weil blindem Menschen einen perfekten Menschen.

Aber was hat es damit auf sich, dass er zum Teich Siloah gehen sollte und sich waschen sollte. Denken wir doch einmal an die Taufe. In der Taufe wird unser altes sündiges Leben abgewaschen und wir erhalten ein neues perfektes Leben in Gott. Erst wenn wir dies hinter uns gebracht haben, werden wir Gott so fühlen, spüren und erleben können, wie er sich uns zeigt. Durch die Taufe sind nämlich unsere inneren Augen geöffnet worden.

Und so war es bei dem blinden Menschen auch. Er wusch das alte ab und das neue war geboren. Er war sehend geworden.

Liebe Gemeinde, was lernen wir aus unserem heutigen Predigttext? Lassen Sie uns unsere alten Perspektiven immer wieder einmal hinterfragen. Geben wir Gott genügend Raum und Platz um in uns und an uns und an allen anderen Menschen zu wirken. Und lassen Sie uns dankbar sein, dass unser Herr uns unsere inneren Augen aufgetan hat, damit wir schon hier auf Erden ein Stück weit seine Herrlichkeit spüren und fühlen und erleben dürfen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unseren Herrn bitten, dass wir seine Herrlichkeit schauen dürfen, indem wir gemeinsam in den 6. Vers des Liedes "Sonne der Gerechtigkeit..." (EG262) einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit
und mit unsrer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft.
Erbarm dich, Herr.


Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber



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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Ma Aug 10, 2020 12:49 pm

ePredigt vom 09.08.2020 (Jeremia 1, 4-10)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jeremia im 1. Kapitel, die Verse 4-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jeremias Berufung

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von deiner Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: " Ich bin zu jung", sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.


Liebe Gemeinde,

sind Sie von Gott berufen ? Denken wir einfach mal eine Minute darüber nach, bevor wir uns dem heutigen Predigttext widmen.

1. Wir sind berufen

Da ist auch schon die Antwort auf die eingangs gestellte Frage. Jeder einzelne unter uns ist persönlich von Gott berufen, an dem Aufbau seines Reiches tatkräftig mitzuarbeiten.

So war das, wie wir soeben gehört haben, auch bei dem Propheten Jeremia. Und was machte Jeremia als er von seiner Berufung erfuhr? Er versteckte sich erst einmal hinter seinem Alter. Die lachen mich doch aus, wenn so ein Jungspund wie ich vor die Ältesten trete und denen sage, was sie zu tun und zu lassen haben. Nee, nee, Gott, da nimm mal lieber einen anderen.

Wir haben bestimmt alle schon einmal vor einer ähnlichen Situation gestanden, wo Gott uns in seinen Dienst gerufen hat und wir aus verschiedensten Gründen dafür nicht geeignet zu sein schienen. Und das haben wir Gott bestimmt mit ähnlichen Worten gesagt, wie dies Jeremia getan hat.

Gott sagte aber nicht: Nun gut, du bist zu jung. Das verstehe ich. Da nehme ich lieber einen anderen. Nein Gott gab Jeremia als Antwort: Du sollst gehen, wohin ich dich sende.

Wenn wir eine Berufung erhalten haben, dann sollen wir einfach losgehen. Das, was wir für die Ausübung unserer Berufung benötigen, das gibt uns nämlich Gott mit auf den Weg, den er für uns auserwählt hat.

Ich habe es an dieser Stelle schon einige Male gesagt. Gott beruft nicht die fähigen Menschen, sondern er befähigt die Menschen, die er beruft.

2. Wir sind begabt

In der Schule wurde mir von meinen Lehrern immer wieder gesagt: Nein, das Gymnasium schaffst Du nicht, da bist du nicht begabt genug für. Dann hatte ich mein Abi in der Tasche und es ging lustig weiter. Nein, der Studiengang ist doch nicht das richtige für Dich. Das schaffst Du nicht.

Aber es gibt einen der mich von Anfang an für begabt hielt und meinen Lebensweg lange schon wusste, bevor der Lehrkörper sich diesen angesehen und beurteilt hat.

Denken wir nur mal an die Berufung von Mose. Mose war kein großer Redner vor dem Herrn. Und Gott stellte ihm Aaron als Redner an seine Seite.

Denken wir an David. Über seinen Lebenslauf könnte man schreiben: "Vom Hirtenjungen zum Königsthron." Als gewöhnlicher Hirte besaß er wohl kaum Begabungen, die einen König ausmachen, der ein Reich zu regieren hat. Er erhielt sie von Gott.

Oder denken wir an Paulus. Genau der Paulus, der vehement die ersten Christen verfolgte, genau dieser Paulus sollte als einer der ersten Missionare über viele Ländergrenzen hinweg das Evangelium Jesu Christi unter die Leute bringen.

Auf den ersten Blick gesehen mussten die oben genannten Missionen und Aufgabenstellungen voll in die Hose gehen. Falsche Leute am falschen Platz bringen doch niemals den Erfolg, sondern enden im Allgemeinen in einem großen Desaster.

Aber, liebe Gemeinde, der Mensch sieht was vor Augen ist, Gott sieht in das Herz der Menschen hinein. Oder wie er es zu Jeremia sagte: Ich kannte dich schon lange bevor du geboren worden bist.

Welche Begabungen habe ich denn? Was hat Gott mir auf meinen Lebensweg mitgegeben? Da lohnt es sich doch einmal darüber nachzudenken, wenn wir mit Gott im Gebet vereint sind. Wenn wir zur Ruhe kommen und den Herrn bitten, uns unsere Berufung zu zeigen, dann werden wir diese auch erkennen.

Was machen wir am liebsten? In welcher Tätigkeit gehen wir vollkommen auf? So, und jetzt können wir ja mal überlegen, wie wir diese Begabungen zum Aufbau des Reiches Gottes einsetzen können.

Um nur drei Begabungen zu nennen, die bei Gott sehr gefragt sind. Die Begabung des Zuhörens, die Begabung der Fürbitte und die Begabung der Ermunterung.

3. Fürchte dich nicht

Wussten Sie, dass dies der häufigste Satz der Bibel ist. Er durchzieht das Alte Testament beginnend bis zum letzen Buch des Neuen Testamentes wie ein roter Faden. Immer wieder spricht Gott diesen Satz aus, wenn er seine Mitarbeiter aussendet.

Wenn wir uns das weitere Leben von Jeremia kurz anschauen, dann lief bei weitem nicht alles so glatt, wie es hätte sein können. Jeremia sollte mit einem Predigtverbot belegt werden. Der König ließ sogar eine Schriftrolle, die Jeremia in mühsamer Kleinarbeit erstellt hatte, einfach verbrennen. Und schließlich wird er auch gefangen genommen und gefoltert.

Natürlich verzweifelte Jeremia auch manches Mal. Aber in all seiner Verzweiflung hielt er an dem Wort Gottes fest: Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.

Liebe Gemeinde, auch wir werden in unserer Gottesnachfolge immer wieder Situationen erleben, die uns wütend machen, die uns zweifeln lassen und die uns in eine Lage bringen, in der wir die Brocken am liebsten hinschmeißen möchten.

Lassen Sie uns in solchen Situationen das machen, was auch Jeremia tat. Lassen Sie uns dem Herrn vertrauen, der uns berufen hat, der uns Begabungen mit auf unseren Weg gegeben hat und der uns ganz persönlich gesagt hat : Fürchte dich nicht, ich bin bei Dir.

Wenn wir darauf vertrauen, werden wir alle tiefen Täler unseres Lebens an der Hand Gottes durchschreiten können und sicher am Ziel unserer Reise ankommen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes "Wer nur den lieben Gott lässt walten..." (EG 369) von Georg Neumark einstimmen, der da lautet, wie folgt:


Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.


Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.


Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber





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Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Ma Aug 17, 2020 1:01 pm

ePredigt vom 16.08.2020 (Römer 11, 25-32)




Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 11. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 25-32. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Israels endliche Errettung

Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): " Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde." Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen. Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.


Liebe Gemeinde,

heute ist Israelsonntag. Am 10. Sonntag nach Trinitatis begehen wir seit Jahrzehnten diesen Gedenktag. Früher galt dieser Tag als Erinnerung daran, dass sich Israel unbedingt bekehren muss und dieser Tag soll uns daran erinnern, dass wir diesbezüglich mit unseren Missionsbemühungen nicht nachlässig werden.

Lassen Sie uns doch einmal gemeinsam darüber nachdenken, was es denn damit auf sich hat.

1. Der untrennbare Glaube

Wir kommen in den Himmel und die Juden müssen sich erst noch bekehren um auch dahin zu kommen. Das hört man immer wieder.

Lassen Sie uns aber bitte auch daran denken, dass unser Christentum aus dem Judentum erwachsen ist. Ohne Judentum gäbe es uns Christen überhaupt nicht.

Wem das noch nicht reicht, dem sei die Kreuzinschrift "INRI" anempfohlen. " Jesus Nazarenus Rex Judeorum" Wenn Jesus also als König der Juden gekreuzigt worden ist, dann war Jesus natürlich auch ein Jude.

Und die ersten Gemeinden bestanden ausschließlich aus Juden. Denken wir dann noch an den Apostel Paulus, der ja ein jüdischer Gelehrter war; heute wäre er vermutlich Professor der Theologie. Auch als ein an Jesus gläubiger Mensch blieb er doch nach wie vor auch ein Jude.

Also wir und die Juden sind gar nicht so weit voneinander entfernt, wie wir manchmal glauben mögen. Ich glaube die weltweiten Judenverfolgungen zu allen Zeiten seit der Zeit des Alten Testamentes haben einen derart tiefen Keil eingetrieben, dass wir die Gemeinsamkeiten oftmals gar nicht mehr sehen, sondern nur noch das trennende wahrnehmen.

2. Verhältnis Juden zu Christen

In seinem Römerbrief widmet sich Paulus sehr intensiv diesem Verhältnis der Christen zu den Juden. Paulus leidet sehr darunter, dass Juden und Christen äußerlich offensichtlich sehr verschiedene Wege gehen.

Christen sagen ja gern, dass sie die einzige Wahrheit haben und dass das Heil von den Juden auf die Christen übergegangen ist.

Damit, liebe Gemeinde, machen wir es uns nun doch etwas zu einfach.

Wenn wir uns das Alte Testament betrachten, dann beginnen ja schon mit Mose und den Propheten die Hinweise auf unseren Herrn. Das ganze Alte Testament ist eine gewaltige Prophetie hinweisend auf unser aller Heil.

Wenn die Juden explizit von diesem Heil ausgenommen wären, wozu hat Gott dann durch seine Propheten zu den Juden geredet? Das wäre ja so, als wenn Gott gesagt hätte: "Ich zeige euch mal den Himmel, wo ihr sowieso nicht hinkommt."

In dem Römerbrief verwendet Paulus weiterhin auch sehr trefflich das Ölbaumgleichnis. Nicht wir als neu eingepfropfte Zweige tragen die Wurzel, sondern die Wurzel trägt uns als neue Zweige.

3. Das Geheimnis Gottes

Liebe Gemeinde, viele Dinge der Bibel werden wir niemals so ganz verstehen und diese Geheimnisse Gottes werden sich uns wahrscheinlich erst dann offenbaren, wenn wir im Himmel angekommen sind.

Wie können wir aber hier auf Erden mit der Situation Juden und Christen am besten umgehen?

Nun, gehen wir einmal davon aus, dass Paulus recht hat, wenn er sagt, dass Gott allen Menschen gegenüber gnädig ist ohne Ansehen der Person.

Gottes Gnade wird immer größer sein als das "Nein" Israels zu Jesus. Und Gottes Gnade wird auch immer größer sein als unsere Untreue ihm gegenüber.

Wenn wir es so wollen, dann ist jede Untreue unsererseits auch ein indirektes "Nein" zu Gott. Denn wenn ich jemandem untreu werde, dann wende ich mich ja schließlich von ihm ab und möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Gott sei Dank, dass Gott gnädiger ist, als wir es uns vorstellen können.

Gott hat seine erste Liebe, also Israel verlassen und sich seiner zweiten Liebe also uns zugewandt. Das kann man aber auch nicht so im Raum stehen lassen, weil dies brandgefährlich wäre, wenn es so ist.

Wenn Gott seine erste Liebe verlässt um meinetwillen, wer gibt mir denn die Garantie, dass Gott mich nicht auch verlässt und sich einer neuen Liebe zuwendet?

Ich glaube, wer für die großen Fragen immer gleich einfache Antworten parat hat, sollte diese ab und wann auf den Prüfstand stellen.

Was bleibt uns denn nun zu tun? Ich denke, wir sollten einander alle, Juden, Christen und auch Menschen, die nicht glauben respektvoll begegnen. Wir sollen unser Heil nicht verbergen, nein, wir sollen natürlich erzählen, was uns aus dem Glauben heraus in unserem Leben antreibt und wir sollten Gott Raum für sein wirken lassen, ohne ihm immer gleich vorgreifen zu wollen.

Lassen Sie uns behutsam unser Werk tun und den Rest in Gottes gnädige Hände legen.

Lassen Sie uns also als Juden und als Christen gemeinsam in den ersten Vers des Liedes "Nun danket alle Gott.." (EG 321) von Martin Rinckart einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen,
der große Dinge tut an uns und allen Enden,
der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an
unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.


Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag in der Gegenwart des allmächtigen und gnädigen Gottes. Möge dieser Gott der Juden UND Christen Sie auch die kommende Woche auf all Ihren Wegen begleiten.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber



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GeregistreerdCOLON Do Jan 07, 2016 11:08 am

Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Ma Aug 24, 2020 3:36 pm

ePredigt vom 23.08.2020 (Lukas 18, 9-14)




Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 11. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 18, die Verse 9-12. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Pharisäer und Zöllner

Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig ! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.



Liebe Gemeinde,

dieses Gleichnis kennen wir sicherlich alle. Die Überschrift möchte ich ein wenig abändern und sie "Tatort Tempel" nennen. Schauen wir uns doch einmal zusammen an, was an diesem Tatort alles passiert:

1. Der Pharisäer

Wenn wir uns den Pharisäer einmal näher betrachten, dann scheint er ein ganz normaler Mensch zu sein. Vielleicht sogar noch besser, als wir alle. Denn er fastete zweimal in der Woche und gab von allem, was er hatte, den Zehnten. Ich gehe einmal davon aus, dass wir dies im Allgemeinen nicht machen.

Er ist bestimmt in einem ordentlichen Elternhaus aufgewachsen; danach hat er sein Studium mit Bravour hinter sich gebracht und auch einen steile theologische Karriere hingelegt.

Doch schauen wir uns einmal an, was er macht. Gut, er fastet. Aber nicht für Gott, sondern für sich selber und damit er die Anerkennung seiner Mitmenschen erhält. Gut, er gibt den Zehnten. Aber dies, ohne jemals den sozialen Kontakt zu den Bedürftigen zu haben. Und natürlich dürfen alle wissen, was er für ein honoriges Kerlchen ist.

Und dann dankt er Gott auch noch dafür, dass er eben nicht so ist, wie die Menschen um ihn herum. Grundsätzlich ist dagegen auch nichts einzuwenden. Ich bin auch froh, dass ich kein Räuber, Betrüger und Ehebrecher bin. Aber der Pharisäer benötigt andere, aus seiner Sicht kleinere Menschen, um selber groß zu erscheinen.

In seinem Gebet dreht sich nichts um Gott und die Gnade der Vergebung der Sünden. In seinem Gebet geht es ausschließlich um ihn selbst. Eine Gebetsegaomanie in Reinkultur.

Der Pharisäer geht also mit einer falschen Gesinnung zum Gebet. Und weil wir schon von Tatort reden, ist dies ein Verbrechen gegenüber unserem Herrn, welches bestraft werden muss und auch bestraft werden wird.

2. Der Zöllner

Hier haben wir das absolute Gegenteil zu unserem Pharisäer. Die Zöllner waren schon eine ganz besondere Spezies. Sie trieben für die Besatzungsmacht die Zölle ein und setzten noch einen oben drauf, indem sie auch noch zusätzlich in die eigene Tasche wirtschafteten.

Und doch muss ihn irgendetwas geritten haben, dass er, der Betrüger und Kollaborateur der Besatzungsmacht in den Tempel geht um zu beten.

Er hatte erkannt, dass er der minderwertigste Mensch vor Gott war. Und deshalb traut er sich im Tempel auch nicht die übliche, nach oben gerichtete Gebetshaltung einzunehmen. Betrübt von seiner eigenen Sünde schaut er nach unten. Zudem steht er nicht inmitten des Tempels, sondern abseits in irgendeiner Ecke, um ja nicht von den honorigen Gemeindemitgliedern gesehen zu werden.

Er sucht Vergebung von ganzem Herzen. Er legt sein ganzes verkorkstes Leben Gott vor die Füße. Er macht auch nicht andere Menschen für sein Schicksal verantwortlich. Er weiß, was er getan hat und wie er vor Gott dasteht. Und dann sagt er den entscheiden Satz. Gott, sei mir Sünder gnädig!

Im Gegensatz zum Pharisäer stand Gott im Mittelpunkt seines Gebetes. Er plapperte auch nicht viel daher, sondern brachte sein Anliegen direkt vor Gott.

Er legte also, um wieder beim Tatort zu bleiben, ein Geständnis ab. Auch wenn sich ein Geständnis strafmildernd auswirkt erfolgt dennoch eine Bestrafung. Doch diese Bestrafung, liebe Gemeinde, hat unser Herr am Kreuz auf sich genommen. Daher dürfen wir ihm alle unsere Sünden zu Füßen legen und ihn um Vergebung bitten. Und diese wird er uns gewähren, wenn wir in derselben Herzenshaltung wie der Zöllner zu ihm kommen.

3. Jesus

Jetzt betritt Jesus den Tatort und spricht sein Urteil indem er uns sagt, dass der Zöllner gerechtfertigt nach Hause geht, und der Pharisäer in seinen Sünden bleibt.

Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Klar, dass haben wir ja soeben zusammen erarbeitet. Was soll also dieser Satz zum Schluss?

Jesus macht uns damit darauf aufmerksam, dass in jedem von uns auch ein Pharisäer und nicht nur der Zöllner steckt.

Wie schnell sind wir versucht uns und unsere Gaben und Aufgaben in der Gemeinde in den Mittelpunkt zu stellen. Und wie schnell sind wir beleidigt, wenn unser Engagement nicht entsprechend gewürdigt wird. Wir leben in der ständigen Gefahr nach dem Motto zu leben: "Ich, mich meiner, mir, Jesus segne diese vier".

Und darum sollen wir höllisch aufpassen, dass wir nicht mit einer solchen Einstellung in der Hölle landen.

Nur wenn wir uns ständig bewusst sind, dass wir auch nach unserer Bekehrung arme Sünder sind und bleiben, nur wenn wir uns ständig bewusst sind, dass wir der ständigen Vergebung unseres Herrn bedürfen, nur wenn wir uns immer wieder bewusst sind, dass wir nur in der Gegenwart unseres Herrn die Seligkeit erlangen können, nur dann sind wir auf der sicheren Seite und werden, um noch ein letztes Mal bei dem Tatort zu bleiben, einen Freispruch erhalten.

Um uns daran zu erinnern, dass unser Herr alle Sünder annimmt, lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes "Jesus nimmt die Sünder an..." (EG 353) des Liederdichters Erdmann Neumeister einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an.


Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber




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Go ye therefore, and teach all nations, baptizing them in the name of theFather, and of the Son, and of the Holy Ghost Matthew 28 : 19

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Ton
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GeregistreerdCOLON Do Jan 07, 2016 11:08 am

Re: ePredigte.

Berichtdoor Ton » Ma Aug 31, 2020 11:29 am

ePredigt vom 30.08.2020 (1. Korinther 3, 9-17)



Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 3, die Verse 9-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.


Liebe Gemeinde,

Paulus hatte, obwohl die Korinther alles andere als eine vorbildliche Gemeinde waren, diese irgendwie ganz besonders in sein Herz geschlossen. Und darum zögert er nicht, dieser jungen Gemeinde immer und immer wieder die Basics des Gemeindeaufbaus nahezubringen.

Schauen wir uns doch heute Morgen einmal gemeinsam an, was Paulus auch uns heute mit auf den Weg gibt, wenn es um den Aufbau einer Gemeinde geht.

1. Das Fundament

Liebe Gemeinde, Paulus vergleicht den Aufbau einer Gemeinde mit dem Bau eines Hauses. Und das wichtigste, was wir bei einem Hausbau benötigen ist ein stabiles Fundament.

Ein Haus, welches auf Sand gebaut wird, wird schon beim ersten kleineren Unwetter in sich zusammenbrechen. Selbst ein Haus, dessen Fundament zu schwach ist, wird eines Tages den Stürmen und anderen Wetterkapriolen zum Opfer fallen.

Nur ein Haus, dessen Fundament felsenfest verankert ist, dieses Haus wird allen Stürmen standhalten.

Übertragen wir das auf unsere Gemeinden, dann verstehen wir natürlich sehr schnell, dass mit dem Fundament unser Herr Jesus Christus gemeint ist. Das was er für uns getan hat, darauf können wir bauen und das dürfen wir als festes Fundament für unser Leben ansehen.

Eine wie auch immer geartete christliche Gemeinschaft, die an diesem Fundament rüttelt, die wird über kurz oder lang in sich zusammenbrechen. Aber jede Gemeinde und Gemeinschaft, die sich auf dieses Fundament verlässt, wird wachsen und gedeihen.

Leider umgeben uns ja immer häufiger theologische Strömungen, die an diesem Fundament kratzen und es aus dem Boden hebeln wollen. Und daher ist es heute wichtiger denn je, dass wir bei unserem Fundament bleiben und das tun, was uns dieses Fundament in der Bibel lehrt. Nur so nebenbei bemerkt: Ich bin froh, ein fundamentaler Christ zu sein. Ich weiß wem ich trauen kann und darf.

2. Gottes Baugelände

Wir sind als Christen das Baugelände für Gottes Gemeinden.

Schauen wir uns doch einmal in unseren Städten und Dörfern um. Dort finden wir unterschiedlichste Häuser. Neben schönen Altstadtvillen finden wir Reihenhaussiedlungen und etwas außerhalb vielleicht sogar noch den ein oder anderen Bauernhof.

So unterschiedlich die Gebäude auch sein mögen, eines haben sie alle; nämlich ein festes Fundament.

Was will uns Paulus damit sagen? Er will uns sagen, dass es nicht die eine immer gleichgeschaltete Gemeinde gibt. Wo das Fundament einer Gemeinde Jesus Christus heißt, da spielt so ziemlich alles andere eine eher untergeordnete Rolle.

Es gibt Gemeinde, die einen großen Wert auf die exakte Einhaltung liturgischer Regeln achtet. Tut das, würde Paulus sagen, solange euer Fundament Jesus heißt ist alles in Ordnung.

Dann wieder gibt es Gemeinden, in denen anstelle der alten Choräle meist moderne Worshiplieder gesungen werden. Auch hier würde Paulus sagen: Tut das, lobt und preist den Herrn auch mal in englischer Sprache.

Und dann gibt es ja auch noch Gemeinden weltweit, die ganz andere Gottesdienste als wir feiern. Dort wird fröhlich getanzt und gebetet. Dort wird weniger gepredigt, sondern mehr Zeit für die Anbetung verwendet. Und dort gibt es so gut wie keine festen Abläufe, wie denn ein Gottesdienst aussehen muss.

Auch hier würde Paulus sagen: Solange wie euer Fundament Jesus Christus heißt, feiert ihr den tollsten Gottesdienst, den ich mir vorstellen kann.

3. Mein Haus

Bisher haben wir ja über das Fundament und den Gemeindeaufbau geredet. Die kleinste Einheit in dieser Gemeinde das sind wir jeder für sich gesehen mit seinem Lebenshaus.

Und da ruft uns Paulus zu. "Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut!“

Auch in unserem kleinen Lebenshaus ist es wichtig, dass dieses auf dem gleichen Fundament steht, wie das kollektive Gemeindehaus. Da dürfen wir keine faulen Kompromisse eingehen.

Und nun schauen wir uns unser Lebenshaus einmal gemeinsam an.

Sind die Türen groß, genug, damit man dort ein- und ausgehen kann? Das ist nämlich ganz wichtig. Wir sollen uns als Christen nicht in unsere vier Wände zurückziehen und allein unser Christenleben ausleben. Nein wir sollen hinausgehen in die Welt, um SEINE Zeugen zu sein. Und wir sollen die Türen unseres Lebenshauses offenhalten, damit auch andere Menschen zu uns kommen können.

Hat das Haus auch Fenster? Blöde Frage, aber wichtig. Wo kein Fenster in unserem Lebenshaus ist, da kann auch nicht der helle Schein des Evangeliums dauerhaft in unsere Herzen scheinen. Nur wenn wir mit diesem hellen Schein erfüllt werden, dann können wir diesen auch viel besser weitergeben.

Haben wir ein Gästezimmer in unserem Lebenshaus? Dies ist besonders wichtig, da wir auch für in Not geratene Mitgeschwister da sein sollen. Wer in Not gerät soll sich in dem Gästezimmer unseres Lebenshauses sicher und wohlbehütet fühlen.

Haben wir auch an das Telefon gedacht? Das soll uns immer daran erinnern, dass unser Herr nur einen Anruf weit von uns entfernt ist. Das klingt zwar lächerlich; aber, liebe Gemeinde, wenn wir uns nicht ständig selber daran erinnern oder aber erinnern lassen, dann kann ein lebendiges Gebetsleben schnell einschlafen.

Und jetzt noch ein wichtiger Punkt bei den Routinearbeiten an unserem Lebenshaus. Reinigen wir es auch regelmäßig? Wie in jedem natürlichen Haus, so sammelt sich auch in unserem Lebenshaus jede Menge Dreck an, der dort nicht hineingehört. Daher müssen wir den Herrn immer wieder aufs Neue bitten, dass er uns aufzeigt, was wir aus dem Lebenshaus unbedingt entfernen müssen.

Wir haben erfahren, dass wir unbedingt ein festes Fundament benötigen, auf dem die weltweite Gemeinschaft der Christen gegründet ist. Und wir haben gehört, dass es Gemeinden unterschiedlichster Art gibt, die alle auf dem gleichen Fundament gegründet sind. Und wir haben erfahren, dass auch unser Lebenshaus immer wieder auf seine Standfestigkeit hin überprüft werden muss. Packen wir es also gemeinsam an!!!

Lassen Sie uns nunmehr zum Abschluss unseres heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Liedes "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt...." (EG 604) des Liederdichters Martin Gotthard Schneider einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit.
Das Ziel, das ihm die Richtung weist, heißt Gottes Ewigkeit.
Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht durch Angst, Not und Gefahr,
Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg, so fährt es Jahr um Jahr.
Und immer wieder fragt man sich: Wird denn das Schiff stehn ?
Erreicht es wohl das große Ziel ? Wird es nicht untergehn ?
Bleibe bei uns, Herr ! Bleibe bei uns, Herr, sonst sind wir allein
auf der Fahrt durch das Meer.
O bleibe bei uns, Herr !

Der Herr segne und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe dir seinen Frieden

Amen.



Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber




Impressum:
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